In diesem Jahr stehen wir am Vorabend des 8. März, des Internationalen Frauentages, unter Bedingungen, die sich deutlich von den Jahren davor unterscheiden. Noch keine zwei Monate sind seit dem großflächigen Massaker an Menschen im Iran vergangen, die während der Proteste im Januar 2026 für Brot und Freiheit gegen das islamische Regime auf die Straße gegangen waren – ein Aufstand, den die Islamische Republik blutig niederschlug. Wir hatten gerade den vierzigsten Tag des Gedenkens an jene mutig engagierten Leben begangen, die für Freiheit und das Recht auf Leben aufstanden und ihr Leben verloren, als der militärische Angriff der USA und Israels auf den Iran begann, eine Zivilbevölkerung, die keine Schutzräume hat.
Wir verurteilen diese militärische Aggression entschieden. Kriege und militärische Interventionen sind kein Weg zur Befreiung, sondern die Fortsetzung derselben Logik von Tod und Zerstörung – einer Logik, deren größte Last stets von Kindern, Frauen und schutzlosen Menschen getragen wird.
Schon vor diesem militärischen Angriff – und nur drei Jahre nach dem revolutionären Aufstand „Frau, Leben, Freiheit“, der geschlechts- und genderbezogene Unterdrückung, Klassenunterdrückung, nationale Unterdrückung und andere Formen der Unterdrückung miteinander verband – wurden in Teilen des dominanten Diskurses und der vorherrschenden Erzählungen, insbesondere in politischen und medialen Darstellungen, die Prioritäten in eine Richtung verschoben, die sich vom emanzipatorischen Geist der „Frau, Leben, Freiheit-Bewegung“ entfernte. So wurden Forderungen wie die Freiheit der Frauen, soziale Gerechtigkeit, die Rechte der unterdrückten Völker und ethnischen Gruppen innerhalb des Iran, der Kampf gegen Umweltzerstörung und die Verteidigung des Rechts auf Leben in vielen dieser Darstellungen abgeschwächt oder an den Rand gedrängt. Unter den heutigen Kriegsbedingungen besteht die Gefahr, dass dieser Prozess der Marginalisierung und des Ausschlusses durch die Logik von vermeintlicher „Sicherheit“ und eines „Ausnahmezustands“ weiter verschärft wird.
Gleichzeitig sendet die herrschende Diktatur, eine klare Warnung aus: Jede Form von Protest soll unterdrückt werden, indem sie ihre Kräfte auf den Straßen und Plätzen der Städte mobilisiert und sich unter Kriegsbedingungen gegen die eigene Bevölkerung organisiert zeigt. Zweifellos muss der diesjährige 8. März auch dem Widerstand der trauernden Mütter dieses landesweiten Massakers sowie der Gesamtheit der Formen des Widerstands gewidmet werden, die schon in den ersten Tagen des Aufstands entstanden sind. Die Mütter und Familien, die Gerechtigkeit fordern, haben – indem sie religiöse Traditionen durchbrachen und mit außergewöhnlichem Mut handelten – die Beerdigungen ihrer Angehörigen in Orte des Kampfes gegen die Diktatur verwandelt. Viele von ihnen waren zunächst Erzählerinnen der Kämpfe ihrer Kinder für einen freien Iran gegen die Islamische Republik und wurden dadurch selbst zu Subjekten des Widerstands und der Forderung nach Gerechtigkeit.
Heute, während die innere Repression anhält und zugleich der militärische Angriff der USA und Israels auf den Iran andauert, liegt der Schatten von Krieg und Bombardierungen schwer auf dem Leben der Menschen. Diese Situation setzt auch die Formen des Widerstands unter Druck. Die Studierendenbewegung, die gerade wieder an Kraft gewann und sich neuformierte, sah sich an vielen Universitäten gezwungen, aus Sorge um ihr Leben und angesichts der Gefahr von Bombardierungen, den universitären Raum und öffentliche Versammlungen zu verlassen und in ihre Häuser zurückzukehren. Dennoch bedeutet dieser aus Sicherheitsgründen notwendige, erzwungene Rückzug keineswegs das Ende des Widerstands; vielmehr zeigt er, wie dieser Krieg zu einem weiteren Instrument wird, um den Raum kollektiven Handelns einzuschränken.
Unsere Antwort auf den Aufstieg des Faschismus, auf die Normalisierung militärischer Interventionen und auf den Versuch, einen „Führer“ lediglich durch einen anderen „Führer“ zu ersetzen, besteht darin, einen kollektiven Diskurs aufzubauen und gemeinsame Wege zu finden, um aus dem sich ständig wiederholenden Kreislauf von „Niederlagen“ und „Ausweglosigkeit“ herauszukommen. Dieser Diskurs muss sich gegen das patriarchale System stellen – ein System, das unter dem Motto „Mann, Vaterland, Wiederaufbau“ versucht, patriarchale Autorität zu reproduzieren und eine unterdrückerische Ordnung zu etablieren. Eine Ordnung, deren Zeichen sich bereits jetzt zeigen: in der Ausschaltung und dem Tod von Gegner*innen, sowie in der Auslöschung der politischen Handlungsfähigkeit der Völker und ethnischen Gruppen im Iran. Es ist daher kein Zufall, dass der Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ aufgrund seines antiautoritären und herrschaftskritischen Charakters weiterhin Ziel des Zorns reaktionärer Kräfte ist.
Wir, 23 unabhängige Frauenorganisationen im Exil, erklären unsere Solidarität mit den laufenden Kämpfen der Menschen im Iran für Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit. Wir sind der Überzeugung, dass wir das Echo der Stimmen der trauernden Mütter und der Familien, die Gerechtigkeit fordern, der Studierendenbewegung, der Lehrerinnenbewegung, der Rentnerinnen, der Arbeiter*innen, der queeren Community sowie anderer zivilgesellschaftlicher Bewegungen sein müssen. Ebenso müssen wir die Stimme der Kämpfe der unterdrückten Völker und ethnischen Gruppen im Iran sein und uns jeder Entwicklung entgegenstellen, die diese Forderungen ausblendet oder an den Rand drängt.
Mit all unseren Kräften bemühen wir uns zudem, die Aufmerksamkeit feministischer Organisationen, von Gewerkschaften, von Amnesty International sowie anderer unabhängiger Zusammenschlüsse auf die Verteidigung des Lebens politischer Gefangener zu lenken. Denn den Berichten aus dem Iran zufolge erreichen uns zunehmend besorgniserregende Nachrichten über ihre Situation und Gefährdung.
Wir leisten Widerstand gegen genderbezogene Ungleichheiten sowie gegen die Marginalisierung der Forderungen von Frauen. Wir setzen uns für die Freiheit aller politischen Gefangenen ein und fordern ein Ende der Tötungsmaschinerie der Machthabenden in der Islamischen Republik. Gleichzeitig betonen wir in einer Situation, in der Krieg und militärische Intervention stattfindet, die Notwendigkeit der Solidarität feministischer Organisationen weltweit sowie mit Anti-Kriegs- und antifaschistischen Bewegungen – im Kampf gegen Patriarchat, Krieg und Militarismus.
Nein zur Islamischen Republik!
Nein zum Krieg!
Frau, Leben, Freiheit!
6.3.2026
Alltäglicher Feminismus“
Bewegung „#MeToo Iran“
Frauen für Freiheit und nachhaltige Gleichheit
Frauengruppe Nordkalifornien
Frauenvereinigung in Montreal
Frauentribunal e. V.
Forum iranischer Frauen in Wien
Gemeinnützige Organisation IWIN – Empowerment der Frauen durch Kunst
Gruppe der vereinten linken Frauen
Iranisch-deutscher Frauenverein Köln e. V.
Iranische Aktivistinnen im Exil – Berlin
Iranischer Frauenverein Parto e. V.Kampagne zur Beendigung von Ehrenmorde
Kollektiv „Frau, Leben, Freiheit“ in Rom
Komitee für Geschlechtergleichheit der Solidarität der Republikanerinnen Irans
Kreis iranischer Frauen für globale Zusammenarbeit (ICWIN)
Organisation „Befreiung der Frau“
Organisation der LGBTQI+ „Manav“
Organisation für Frauenrechte, IKWRO
Studiengruppe für Frauen in Orange County
Vereinigung „Zusammen für die Gesundheit der Frauen“
Vereinigung freier iranischer Frauen
Vereinigung iranischer Frauen in Dallas
