Wir, 23 unabhängige iranische Frauenorganisationen, sind zutiefst besorgt um das Leben der politischen, sozialen und weltanschaulichen Gefangenen sowie aller im Zusammenhang mit den Dey-Protesten Verhafteten.
Kurz nach der brutalen Niederschlagung des Aufstands im Dey 1404 (ist das ein gefängnis? Dann als solches benennen) und dem Massaker an protestierenden Menschen, die auf den Straßen im ganzen Land für ihr Recht auf Lebensunterhalt und ein würdiges Leben gegen die Diktatur der Islamischen Republik kämpften, begann der militärische Angriff der USA und Israels auf den Iran. In dieser Situation gerieten die Menschen im Iran von zwei Seiten unter Druck: Einerseits durch ausländische militärische Interventionen und Angriffe, andererseits durch die Verschärfung von Repression, Verhaftungen und Hinrichtungen durch die Islamische Republik.
Der Kriegsdiskurs unter dem Titel „Regime Change“ und „Befreiung“, verbreitet von Kräften wie Reza Pahlavi und monarchistischen Unterstützern, wurde normalisiert und diente dazu, militärische Angriffe zu legitimieren. Dieser Diskurs führte in der Praxis zur Schwächung der Volksbewegungen und zur Verstärkung der inneren Repression.
Die kurz- und langfristige Folge dieses Prozesses war die Schwächung und Unterdrückung von Protestbewegungen, darunter auch die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“, die eine befreiende Perspektive für verschiedene unterdrückte gesellschaftliche Gruppen im Iran eröffnet hatte. Die Menschen haben erneut durch die Erfahrung des Krieges erkannt, dass Bomben und Raketen nichts als Tod, Vertreibung, Armut (insbesondere für Frauen), Unterdrückung und den weiteren Entzug gesellschaftlicher Handlungsmacht bringen.
Auch nach einem zweiwöchigen Waffenstillstand und dessen wiederholten Verlängerungen gibt es keine verlässlichen Informationen über ein Ende oder eine Fortsetzung des Krieges. Die Realität ist jedoch, dass wir es mit einem noch repressiveren und stärker sicherheitsorientierten Staat zu tun haben, der im Schatten von Internetabschaltungen und Kommunikationsblockaden durch Massenverhaftungen und Hinrichtungen versucht, jede Stimme des Protests zum Schweigen zu bringen und eine Atmosphäre der Angst zu etablieren.
Der Druck und die Bedrohung gegen politische Gefangene haben zugenommen, und ihr Leben ist in akuter Gefahr. Seit Beginn des Krieges wurden mindestens 3646 Personen verhaftet, und nach der Verkündung des Waffenstillstands weitere 767. Seit Beginn der militärischen Angriffe wurden 20 Gefangene unter politischen und sicherheitsbezogenen Vorwürfen hingerichtet, darunter angebliche Verbindungen zur „Organisation der Volksmudschahedin Iran“, Teilnahme an den Dey-Protesten sowie Spionage für Israel und entsprechende Vorwürfe wie Bildaufnahmen.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Welle der Hinrichtungen und der Spionagevorwürfe im Zusammenhang mit Israel mit Beginn des zwölftägigen Krieges deutlich zugenommen hat. Selbst nach einem Waffenstillstand wird das Regime unter Beibehaltung eines Kriegszustands weiterhin das Leben der Menschen als Geisel halten.
In vielen Fällen haben Familien keine Informationen über den Aufenthaltsort, die Haftbedingungen oder den rechtlichen Status ihrer Angehörigen. Laut Berichten der Organisation „Iran Human Rights“ und der Initiative „Gemeinsam gegen die Todesstrafe“ wurden im Jahr 2025 mindestens 1639 Menschen hingerichtet – die höchste Zahl seit 1989 nach dem Massaker an politischen Gefangenen im Sommer 1988. Mindestens 48 der im vergangenen Jahr Hingerichteten waren Frauen, womit das iranische Regime erneut die weltweit höchste Zahl an Hinrichtungen von Frauen verzeichnet.
Berichten aus dem Evin-Gefängnis zufolge hat der Druck auf politische Gefangene, insbesondere im Frauenbereich, zugenommen. Gefangene Frauen wurden daran gehindert, sich an der Kampagne „Dienstage gegen die Todesstrafe“ zu beteiligen, und vor den Konsequenzen gewarnt. Genaue Zahlen über zum Tode verurteilte Gefangene liegen nicht vor, jedoch ist bekannt, dass zwei Kinder zum Tode verurteilt wurden.
Wir, 23 Frauenorganisationen in gemeinsamer Aktion, verfolgen die Situation im Land mit großer Sorge und erklären unsere Solidarität mit den Kämpfen der Menschen für Freiheit, soziale Gerechtigkeit und das Recht auf Leben. Wir sind der Überzeugung, dass es unter den gegenwärtigen Krisenbedingungen (oder meinst du Kriegsbedingungen?) keine dringendere und lebenswichtigere Aufgabe gibt als die breite Unterstützung für die Freiheit und Rettung des Lebens tausender Gefangener, die – wie historische Erfahrungen zeigen – in Gefahr eines großflächigen Massakers stehen.
Unsere sofortige Forderung lautet:
Freilassung aller politischen, zivilen (besser sozialen) und weltanschaulichen Gefangenen,
sofortiger Stopp aller Hinrichtungen und
Abschaffung der Todesstrafe.
Frau, Leben, Freiheit
April 2026 – entsprechend 9. Ordibehesht 1405
Unterzeichnende Organisationen:
Verein „Gemeinsam für die Gesundheit von Frauen“
Verein freier iranischer Frauen – Italien
Verein iranischer Frauen Dallas
Iranisch-Deutscher Frauenverein Köln
Frauenverein Parto
Frauenverein Montreal
Bewegung „MeToo Iran“
International Circle of Iranian Women for Global Cooperation (ICWIN)
Frauen für Freiheit und nachhaltige Gleichberechtigung
Iranische Frauenaktivistinnen im Exil – Berlin
Organisation für Frauenrechte – IKWRO
Organisation zur Befreiung der Frau
Gemeinnützige Organisation Ayvin – Empowerment von Frauen durch Kunst
Alltagsfeminismus
Iranisches Frauenforum in Wien
Kollektiv „Frau, Leben, Freiheit“ – Rom
Kampagne zur Beendigung von Ehrenmorden
Komitee für Geschlechtergleichheit der republikanischen Solidarität Irans
Linke Frauenunion
Frauengruppe Nordkalifornien
Forschungsgruppe Frauenstudien – Orange County
Organisation der LGBTQ+ Gemeinschaft „Manav“
Treffen iranischer Frauen Hannover
